Computerviren zur Nobelpreisfeier

Einen Monat nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an Liu Xiaobo, dem wegen „Untergrabung der Staatsgewalt“ in Haft sitzenden chinesischen Bürgerrechtler, bestätigte der Leiter des Nobelinstitutes in Oslo, Geir Lundestad, den Versuch eines illegalen Zugriffs auf seinen Arbeits-PC mittels einer infizierten E-Mail.

(12.11.2010) Wie ein offizieller Sprecher der norwegischen Datenaufsichtsbehörde mitteilte, sei die Viren-Attacke nur eine Komponente von „koordinierten Anstrengungen“ gewesen, das informationstechnische System des Nobelinstitutes zu infizieren. Denn über die Viren-Mail hinaus diagnostizierte die Behörde einen Angriff auf die offizielle Webseite des Institutes, dessen Weg zuletzt bis zu einem in Taiwan verorteten Server verfolgt werden konnte. Sobald ein Internetnutzer die Institutsseite in seinem Browser aufrief, installierte sich automatisch Schadsoftware auf seinem PC, die sensible Daten ausspionierte.

Zudem warnen Internetexperten vor einem weiteren Computervirus, der derzeit als gefälschte Einladung zur festlichen Verleihung des Nobelpreises per E-Mail verbreitet wird. Die vermeintliche Einladung enthält einen PDF-Anhang, in dem sich ein Trojaner versteckt, mit dem die Kontrolle über den PC des Anwenders erlangt werden kann. Als Absender gibt sich das sogenannte Oslo Freedom Forum zu erkennen, das allerdings in keinerlei Verbindung zum Nobelinstitut steht. Darüber hinaus ist das in der Einladung angegebene Datum, der 11. Dezember, nicht korrekt, denn die Zeremonie findet bereits am Vortag statt.

Nach Angaben der Internet-Sicherheitsfirma F-Secure gibt es bislang keine Informationen über Verantwortliche des Virenangriffes. Fest steht, dass Peking bereits zum Boykott der diesjährigen Verleihung aufgerufen hat, da Liu Xiaobo zu einem Vorreiter im Kampf für politische Reformen in China zählt.

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