40 Jahre Computervirus? Ansichtssache
Im März 2011 feiert der erste Computervirus seinen 40. Geburtstag. Im Jahr 1971 erblickte „The Creeper“ („Der Unfugtreiber“) das Licht der Welt. Bob Thomas erschuf das sich selbst replizierende Programm. Es sollte keinen Schaden anrichten, sondern demonstrieren, wozu der Erschaffer in der Lage wäre.
(22.03.2011) Ein ähnliches Ziel verfolgte „Brain“ („Gehirn“) 1986. Die pakistanischen Schöpfer wollten die Multitasking-Fähigkeit der DOS-basierten Betriebssysteme testen. Ziel war es, herauszufinden, ob diese mehr oder weniger Sicherheitslücken als Unix-Systeme aufweisen würden. Basit und Amjad verbreiteten ihren Virus mit Hilfe einer Diskette. Die Brüder hinterließen sogar Namen und Anschrift.
Der Siegeszug des Virus war unaufhaltsam. 1990 wurden 1300 Programme unter diese Bezeichnung gefasst, heute sind es 200 Millionen. Nicht eines der 1300 war tatsächlich schädlich. Dazu musste erst das Internet seinen Siegeszug antreten. Als das Empfangen und Versenden von Daten in Windeseile zur Alltäglichkeit wurde, schlug die Stunde der Schadsoftware. 1999 tauchten mit „HappyWeb“ und „Melissa“ gleich zwei gefährliche Viren auf. Es folgten Programme, wie „Love Letter“, „Fizzer“ und „Cabir“. Letzterer war der erste bekannte Handy-Virus. Aber keines der Programme konnte sich mit „Stuxnet“ messen.
Der Wurm tauchte im Juni 2010 unter dem Namen „RootkitTmphider“ auf. Er ist speziell zur Steuerung und Überwachung technischer Systeme aus dem Hause Siemens entworfen worden. Er richtete sich gezielt gegen iranische Atomkraftwerke. Es wurde spekuliert, er solle die Leittechnik einer Anlage zur Uran-Anreicherung sabotieren. Dies gelang sogar zeitweise. Mittlerweile bezeichnet der Iran „Stuxnet“ als „ausgerottet“. 40 Jahre nach „The Creeper“ könnte „Stuxnet“ den Startschuss für die nächste Generation der Computerviren gegeben haben. Experten bezeichnen es als sehr wahrscheinlich, dass der gefährliche Wurm direkt auf Anweisung einer Regierung entwickelt wurde. Es sei auszuschließen, dass „Stuxnet“ nur von einem einzelnen Menschen erschaffen worden ist. 1971 wollte Bob Thomas noch beweisen, was er tun könnte. Vierzig Jahre später scheint es diese Einschränkungen nicht länger zu geben.
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